Elterntaxi: Max-Jona (8) wird von seiner Mutter Elli Töberich mit dem Auto zur Schule gefahren. Mit den Ideen von Mobilitäts-Manager Henning Korte könnte der Zweitklässler den Weg zur Schule bald schon alleine zurücklegen – sofern sich seine Grundschule an dem Pilotprojekt beteiligt. - © Andreas Frücht
Elterntaxi: Max-Jona (8) wird von seiner Mutter Elli Töberich mit dem Auto zur Schule gefahren. Mit den Ideen von Mobilitäts-Manager Henning Korte könnte der Zweitklässler den Weg zur Schule bald schon alleine zurücklegen – sofern sich seine Grundschule an dem Pilotprojekt beteiligt. | © Andreas Frücht

Kreis Gütersloh Kinder sollen auf dem Schulweg aufs Elterntaxi verzichten

Fünf Grundschulen für Pilotprojekt gesucht

Anja Hustert

Kreis Gütersloh. Die Autofahrer wenden auf dem Gehweg, stehen im absoluten Halteverbot, blockieren Rettungswege: Vor manchen Grundschulen herrscht morgens und mittags Verkehrschaos. Der Grund sind die sogenannten „Elterntaxis": Väter und Mütter, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. Henning Korte, Mobilitätsmanager beim Kreis Gütersloh, möchte nun zu einer Entspannung der Situation beitragen. Wie groß der Ärger über die Situation vor Schulen ist, zeigt auch der große Zuspruch auf einen Tweet der Berliner Polizei. „Lass(t) uns laufen! Wenige Elterntaxis an meiner Schule!" heißt das Pilotprojekt, das zunächst an fünf Grundschulen im Kreis gestartet werden soll. „Alle Grundschulen im Kreis werden in den nächsten Tagen Post von uns bekommen, die können sich dann bewerben", erzählt Korte. Das Projekt soll die Verkehrssicherheit in der unmittelbaren Umgebung von Grundschulen erhöhen. Gleichzeitig sollen die Schulkinder selber mobiler gemacht werden – durch das Bringen im Auto wird den Kindern die Möglichkeit genommen, richtiges Verhalten im Straßenverkehr zu üben. „Und natürlich ist die Verminderung des motorisierten Verkehrs ein Beitrag zum Umweltschutz", sagt Korte, der gleichzeitig auch Klimaschutzmanager ist. Einzelne Kommunen lösen das Problem bereits auf eigene Faust Einzelne Kommunen im Kreis gehen das Problem bereits auf eigene Faust an – da gibt es mahnende Briefe der Schulleitungen an die Eltern, andernorts werden sogenannte „Kiss & Ride"-Haltestellen eingerichtet, an denen Mutter und Vater den Nachwuchs aus dem Auto lassen können. „Wir möchten das Thema jetzt professionell angehen", so der Mobilitätsmanager. Andere Städte im Land machen es vor – beispielsweise Bergisch Gladbach, wo das Projekt „Geh-Spaß statt Elterntaxi" seit gut einem Jahr erfolgreich Eltern und Kinder motiviert, den Schulweg möglichst sicher, gesund und vor allem selbstständig zu meistern. „Ein Projektziel ist die Einrichtung von Hol- und Bringzonen in der Peripherie der fünf Pilot-Grundschulen", erläutert Korte, der auch weiß, dass es immer einen Anteil Eltern geben wird, die den Nachwuchs mit dem Auto zur Schule fahren. In diesen Zonen, etwa 250 m von der Schule entfernt, können Eltern ihre Kinder aus dem Auto lassen, damit sie den restlichen Schulweg zu Fuß zurücklegen. Anfang Februar sollen die Pilotschulen feststehen „Das ist eine planerische Herausforderung. Die Stelle muss sicher sein und sie darf keinen Umweg darstellen, da sie sonst nicht angenommen wird", so Korte. Er ist sich jedoch sicher, dass in Zusammenarbeit mit Schule und Eltern solche Hol-und Bringzonen gefunden werden können. „Wir gucken zunächst gemeinsam, wie die Verkehrsströme sind", sagt Korte. Das geschehe mit anonymisierten Elternbefragungen zu Wohnort, Alter und Schulweg der Kinder. „Diese Maßnahme wird ergänzt durch ein ,Verkehrszähmer’-Projekt", erläutert der Mobilitäts-Manager. So wird Verkehrserziehung im Unterricht spielerisch behandelt. „Da gibt es beispielsweise Belohnungen fürs Zufußgehen, so dass die Kinder gar nicht mehr mit dem Auto gebracht werden wollen", so Korte. Anfang Februar, so hofft Korte, stehen die fünf Pilotschulen fest. Dann könnten mit Beginn des Schuljahres im Sommer die ersten Hol- und Bringzonen errichtet werden. Berliner Polizei beschwert sich über Elterntaxis Das große Verkehrsaufkommen vor Schulen sorgt für zahlreiche Polizeieinsätze. Humorvoll, aber dennoch deutlich hat die Berliner Polizei nun das Problem mit Eltern-Taxis auf Facebook und Twitter angesprochen und viel Zuspruch geerntet. Die Mehrzahl von Ihnen hat es gewusst! Im Jahr 2016 waren unsere Kolleg. DA für 32 300 ABC-Schützen und ihre falschparkenden Helikoptereltern. #DAfürDICHpic.twitter.com/dPzOAiPlDB — Polizei Berlin (@polizeiberlin) 11. Januar 2018 Für 32.300 Grundschüler und ihre "falsch parkenden Helikopter-Eltern" seien die Beamten 2016 im Einsatz gewesen. Wenn die übervorsichtigen Eltern mit ihren Schützlingen den Schulweg bei aller Sorge zu Fuß absolviert hätten, wäre dies sehr viel sicherer gewesen.

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