Äpfel pflücken: Die Mundraub-Karte zeigt, wo das in OWL ganz legal möglich ist. - © picture alliance / Ulrich Baumgarten
Äpfel pflücken: Die Mundraub-Karte zeigt, wo das in OWL ganz legal möglich ist. | © picture alliance / Ulrich Baumgarten

Outdoor Digitale Mundraub-Karte zeigt, wo jeder Obst und Nüsse pflücken darf

Holunder am Bielefelder Tierpark, Apfelbäume in Spenge, Walnüsse in Warburg - auch in OWL gibt es viele Standorte

Julia Gesemann

Ach, was war das schön. Als Kind mit den Freunden zusammen durch die Nachbarschaft streifen. Dabei die nahe gelegenen Felder und Wiesen entdecken, unterwegs von Brombeerbüschen am Waldrand naschen oder Äpfel pflücken. Schöne Kindheitserinnerungen. Diese können dank der Organisation Mundraub nun wieder aufgefrischt werden. Denn Mundraub bepflanzt Landschaften mit Obstbäumen oder pflegt längst vergessene Exemplare - und jeder ist eingeladen, zu pflücken und zu probieren. Wichtig: Alle Bäume und Sträucher wachsen auf Flächen im öffentlichen Raum oder auf freigegebenen privaten Flächen. Eine Online-Karte unter mundraub.org verrät ganz ohne Registrierung die Standorte, an denen Obst, Nüsse und Kräuter ganz legal gepflückt werden können. Auch in Ostwestfalen-Lippe. Ob Holunder am Tierpark in Bielefeld, Apfelbäume in Spenge oder ein "einsamer" Walnussbaum in Warburg - die Zahl der Bäume und Sträucher, die auf der digitalen Mundraub-Karte zu finden sind, ist groß - auch dank der Hilfe der registrierten Nutzer, die Fundorte von Obst im öffentlichen Raum teilen. Zusätzlich führen sie gemeinsame Pflanz-, Pflege- und Ernteaktionen durch oder engagieren sich in regionalen Gruppen. Nutzer müssen die Mundraub-Regeln einhalten Die Mundraub-Karte lebt nach Angaben der Organisatoren davon, dass die Nutzer "verantwortungsbewusst und respektvoll mit der Natur und den kulturellen sowie privatrechtlichen Gegebenheiten" umgehen. Es gibt Regeln: Vor dem Ernten und dem Karteneintrag muss sichergestellt sein, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden. Die Nutzer müssen behutsam mit den Bäumen und der Natur umgehen. Für den Eigenbedarf pflücken ist erlaubt. Verboten ist es aber, im großen Stil und gewerbsmäßig zu pflücken, dazu braucht es eine behördliche Genehmigung. Außerdem sollten sich die Nutzer bei der Pflege und Nachpflanzung engagieren. Schon seit 2009 kümmert sich Mundraub um bestehende Bäume und pflanzt neue. Angefangen hat es im Nordosten Deutschlands, dort gab es zu viele Äpfel, Birnen und Pflaumen an Alleen und Wegrändern, die verrottet sind. Die regionalen Bioläden boten gleichzeitig Obst aus Neuseeland und Südafrika an. "Essbare Erlebnisräume" Mundraub will öffentliche Obstbäume wieder ins Bewusstsein rufen und auf die vorhandenen öffentlichen regionalen und saisonalen Ressourcen hinweisen. "Mundraub macht aus unentdeckten Landschaften essbare Erlebnisräume", sagt Gründer Kai Gildhorn. Langfristig sollen heimische Obstbäume, Streuobstwiesen und Obstbaumalleen erhalten und nachgepflanzt werden. Ausgezeichnet wurde die Organisation dafür 2009 auch mit einem Nachhaltigkeitspreis. Für das Projekt "Nachwuchs" gab es außerdem den Publikumspreis des Social Design Award 2016. Seit März arbeitet Mundraub mit dem Lebensmittelkonzern Kaufland zusammen. Dieser unterstützt die Plattform dabei, zukünftig noch mehr öffentliche Obstbäume zur Verfügung zu stellen und triste Flächen mit blühenden Bäumen zu besiedeln.

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