Frauen in Bewegung: Wie hier in Amerika kämpften auch in Deutschland Feministinnen für das Wahlrecht. Eine von ihnen stellen wir hier vor. - © dpa
Frauen in Bewegung: Wie hier in Amerika kämpften auch in Deutschland Feministinnen für das Wahlrecht. Eine von ihnen stellen wir hier vor. | © dpa

Bielefeld Diese Frauen müssen Sie kennen

Zum Weltfrauentag präsentiert nw.de eine Liste der fantastischsten, einflussreichsten, mutigsten, kreativsten Persönlichkeiten der Geschichte

Anneke Quasdorf

Bielefeld.  Überhaupt ist Gleichheit die Parole des Geschlechterkampfes im 21. Jahrhundert. Alles, was Frauen leisten und tun, wird in vielen Ländern mittlerweile zumindest durch diesen Filter betrachtet und beachtet - auch wenn wir noch weit davon entfernt sind, Gleichheit erreicht zu haben. Das gilt aber nicht für die vergangenen Jahrhunderte. Hier wurden Frauen entrechtet, benachteiligt, gedemütigt, weggesperrt aus dem öffentlichen Leben. Und trotzdem haben viele von ihnen Großartiges geleistet. Doch egal, ob Persönlichkeiten des Hier und Jetzt oder längst vergangener Zeit: Diese 20 Frauen müssen Sie kennen. Clara Zetkin (1857 - 1933) Dass Frauen in Deutschland heute wählen gehen dürfen, verdanken wir zum großen Teil ihr (auch wenn sie viele wichtige Mitstreiterinnen hatte). Denn Zetkin war Mitglied der sozialistischen Frauenbewegung, die gemeinsam mit der bürgerlich-gemäßigten Frauenbewegung und der bürgerlich-radikalen Frauenbewegung ab dem Ende des 19. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht kämpfte. Queen Elizabeth (*1926) Sie sitzt seit mehr als 60 Jahren auf dem britischen Thron. Sie regierte damit bereits schon 12 Jahre, bevor der jetzige Premier David Cameron geboren wurde. Sie wird jedes Jahr unter die 100 mächtigsten und einflussreichsten Frauen der Welt gewählt. Sie hat eine Ausbildung als Kfz-Mechanikerin. Und: Sie bestimmt, wann sie Geburtstag hat. Marie Curie (1867 - 1934) Sie entdeckte die Elemente Radium und Polium und prägte den Begriff "Radioaktivität". Und sie erhielt als einzige Person die doppelte Ehrung mit der Verleihung des Nobelpreises für Physik und des Nobelpreises für Chemie. Aung San Suu Kyi (*1945) 15 Jahre Hausarrest und Isolation. Die eigenen Söhne nicht aufwachsen zu sehen. So von den eigenen Idealen überzeugt und von der Liebe zum eigenen Land durchdrungen zu sein, dass man das aushält. Das ist die Lebensgeschichte von Aung San Suu Kyi. Weil die Militärjunta im ehemaligen Birma, heute Myanmar, weder sie, noch ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) noch ihre demokratischen Überzeugungen zulassen will. Keine Angst, es geht gut aus für Myanmar: 2015 gewinnt die NLD die absolute Mehrheit bei den Parlamentswahlen. Für Aung San Suu Kyi gibt es aber kein richtiges Happy End. Präsidentin kann sie nämlich nicht werden. Wegen der Nationalität ihres britischen Ehemannes. Der an Krebs starb, ohne dass die Eingesperrte ihn noch einmal sah. So lautet die Verfassung von Myanmar. Katharina die Große (1729 - 1796) Der Titel verrät es wohl schon: Sie war die wohl mächtigste Frau ihrer Zeit, in der sie 34 Jahre lang das russische Reich als Zarin regierte. Ihre Verdienste: eine Verwaltung für das riesige Land einzurichten und das Bildungswesen zu reformieren. Den Beinamen trägt sie übrigens als einzige Herrscherin der Geschichtsschreibung. Jessica Watson (*1993) Umsegelte 2009/2010 als bis dahin jüngste Einhandseglerin die Welt. Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll ist, eine 16-Jährige allein in einem Boot über die Weltmeere fahren zu lassen. Man kann auch darüber streiten, ob die Strecke wirklich so lang war, dass sie um die Erde reichte. Viele Leute tun das auch. Fakt ist aber, dass es eine starke Leistung ist, alleine und mit 16 Jahren 43.000 Seemeilen zurückzulegen und Mama und Papa höchstens über Funk um Hilfe bitten zu können. Coco Chanel (1883 - 1971) Eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen ihrer Zeit, in der große Firmen niemals von Frauen gegründet oder geführt wurden. Sie rief aber nicht nur Modehäuser ins Leben, sondern eine ganz neue Auffassung von Stil. Sie hat "das" kleine Schwarze erfunden. Wo bitte wären wir Frauen ohne es? Rosa Parks (1913 - 2005) Viele Große der Geschichte kamen zu Ruhm und Ehre, indem sie aufstanden für ihre Rechte und Ziele. Rosa Parks machte Furore, indem sie sitzen blieb. Und zwar in einem Bus in einer kleinen Südstaaten-Stadt der USA, als sie ihren Platz für einen weißen Fahrgast räumen sollte. Der Vorfall sorgte für Furore, bescherte der Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King Zulauf, und so trug Rosa Parks dazu bei, die staatliche Diskriminierung von Schwarzen in den USA abzuschaffen. Margaret Sanger (1879 - 1966) Unumstritten ist die Frauenrechtlerin und Krankenschwester bis heute nicht. Weil sie sich häufig und unreflektiert über Eugenik geäußert hat. Gleichzeitig verdanken wir Frauen aber auch ihr, dass wir entscheiden können, ob wir schwanger werden oder nicht. Denn Sanger begründete die American Birth Control League, aus der später die deutsche Pro Familia hervorging. Sie setzte sich damit vehement für das weibliche Recht auf Empfängnisverhütung ein, verbreitete illegal Verhütungsmittel und vermittelte Carl Djerassi, dem Erfinder der Pille, eine steinreiche Geldgeberin, um sein Projekt in die Tat umzusetzen. Beate Uhse (1919 - 2001) Wo wir mit Margaret Sanger schon im Thema sind: Die eine kämpfte für Verhütungsmittel, die andere erfand alles, damit Frauen die neue sexuelle Freiheit auch genießen konnten. Wobei man Beate Uhse Unrecht tut, wenn man sie auf eine Sexshop-Inhaberin reduziert. Sie war eine der erfolgreichsten deutschen Unternehmerinnen, verlor ihren ersten Mann im ersten Jahr nach der Geburt ihres Sohnes durch ein Flugzeugunglück und arbeitete als eine von wenigen Frauen ihrer Zeit als Pilotin. Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf (zeitlos) Sie ist reich (Koffer voll Gold). Sie ist erfolgreich (kann ein Pferd heben). Sie ist Pilotin (fliegt nach Taka-Tuka-Land), Botanikerin (entdeckte den Spunk) und Hausbesitzerin (Villa Kunterbunt). Sie macht sich die Welt, widde-widde-wie sie ihr gefällt. Und sie hat die Wunderwaffe erfunden, mit der sie, wenn diese erstmal auf den Markt kommt, noch steinreicher wird: Die Kummelus-Pille. Mit der werden wir Frauen niemals alt. Das ultimative Geschäftsmodell. Hildegard von Bingen (1098 - 1179) Sie ist gewissermaßen eine Superheldin des Mittelalters und hatte so viel auf dem Kasten, dass selbst der Katholischen Kirche, die sich bekanntlichermaßen mit der Anerkennung von Frauen etwas schwer tut, nichts anderes übrig blieb, als sie heilig zu sprechen. Ihr erster und erstaunlichster Verdienst war, dass sie lesen und schreiben konnte, Fertigkeiten, die Mädchen in ihrer Zeit kaum beigebracht wurden. Ihre Werke befassten sich mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. Zwischen 1147 und 1150 gründete sie ihr eigenes Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen am Rhein. Und musste sich - na klar - mit Männern herumschlagen, die ihr den Erfolg nicht gönnten. Malala Yousafzai (* 1997) Taliban schießen einem 15-jährigen Mädchen in den Kopf, weil sie in ihrem Blog die Gewalttaten der pakistanischen Taliban im Swat-Tal anprangert und sich für schulische Bildung für Mädchen einsetzt. Das ist die Geschichte von Malala Yousafzai. Sie ist die jüngste Friedensnobelpreisträgerin in der Geschichte - und wird für immer Spuren des Krieges tragen müssen. Bertha von Suttner (1842 - 1914) Die Aktivistin war eine der zentralsten Personen der Friedensbewegung Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr wichtigstes Werk: Das Buch "Die Waffen nieder!", das 1989 erschien und in dem Suttner das Leben einer Frau schilderte, die vier Kriege erlebt. Als erste Frau überhaupt erhielt sie den Friedensnobelpreis. Tragischerweise - oder glücklicherweise? - starb sie genau in dem Jahr, in dem der Erste Weltkrieg begann. Angela Merkel (*1954) Bekanntermaßen veröffentlicht das Forbes-Magazin seit 2004 eine Liste der einflussreichsten Frauen der Welt. Seit 2006 ist es aber etwas langweilig geworden, sie zu lesen. So ein bisschen, wie sich Spiele von Verein XY gegen Bayern München anzugucken. 2006. Platz 1: Angela Merkel 2007. Platz 1: Angela Merkel 2008. Platz 1: Angela Merkel 2009. Platz 1: Angela Merkel 2010. Platz 1: Angela Merkel 2011. Platz 1: Angela Merkel 2012. Platz 1: Na, raten Sie mal. 2013. Platz 1: Genau. 2014. Platz 1. Mhm. 2015. Platz 1. Jaja... Simone de Beauvoir (1908 - 1986) Heute würde man sagen, im frühen 20. Jahrhundert ist Paris "hip" unter Dichtern und Denkern. Und so sah die Seine-Stadt eine Menge unkonventioneller Menschen, darunter Schriftsteller, Philosophen und Feministinnen. Simone de Beauvoir aber war alles zusammen, darüber hinaus mit einem überaus scharfen Verstand gesegnet und lebte zu allem Überfluss ein unkonventionelles Beziehungsmodell mit einem bekannten und ebenso klugen Mann und gleichzeitig mit einer Frau. Oh là là! Nicole Petignat (*1966) Es kann ja ruhig ein bisschen sexistisch zugehen hier, und deshalb kann man durchaus sagen, dass zu bestimmten Zeiten viele Männer nach Nicole Petignats Pfeife tanzten. Die Schweizerin war nämlich die erste Frau, die als Schiedsrichterin im Männerfußball auch Spiele in den höchsten Profi-Ligen leitete, darunter das UEFA Cup-Spiel der Männer im August 2003. Ada Lovelace (1815 - 1852) Informatik gilt bis heute als Männerdomäne und das ist insofern eine Schweinerei, als dass das erste Computerprogramm überhaupt von einer Frau geschrieben wurde. Von Ada nämlich, einer passionierten Mathematikerin, die es für einen nie fertiggestellten mechanischen Computer entwarf. Immerhin ist heute eine Programmiersprache nach ihr benannt. Und: Ada hatte das Glück, einen tollen Mann namens William King zu heiraten, der es nicht nur nicht als unschicklich empfand, dass seine Frau sich mit Mathematik beschäftigte, sondern der für sie auch die Grenzen einer rückständigen Gesellschaft unterwanderte: Er wurde Mitglied bei der Royal Society, um Zugang zu Bibliotheken zu erlangen, die Frauen nicht betreten durften und schrieb dort Artikel für Ada ab. Haaach...ist das romantisch... Oprah Winfrey (*1954) Man kann über Oprah sagen, was man will, aber die Frau hat es einfach raus. Sie ist nicht nur die erste Afro-Amerikanerin, die Milliardärin wurde, Eigentümerin einer eigenen Produktionsfirma und Moderatorin der bekanntesten Talkshow der Welt, sie war auch die Einzige, die Radrennstar Lance Armstrong das entlockte, worauf alle warteten: seine Doping-Beichte...

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