Reserviert: Immer mehr Gastronomen ärgern sich über Gäste, die Reservierungen nicht einhalten. - © picture alliance / Marcus Brandt/dpa
Reserviert: Immer mehr Gastronomen ärgern sich über Gäste, die Reservierungen nicht einhalten. | © picture alliance / Marcus Brandt/dpa

Bielefeld/Düsseldorf Erste Restaurants in NRW verlangen Anzahlung für Reservierung

Gastronomie: In Nordrhein-Westfalen verschärfen erste Restaurants ihre Reservierungsregeln, weil immer mehr Gäste unentschuldigt fehlen oder kurzfristig absagen.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld/Düsseldorf. Gäste reservieren einen Tisch, kommen dann aber nicht oder sagen wenige Minuten vorher ab. Gastronomen in NRW beklagen die zunehmende Unverbindlichkeit von Gästen. Um sich vor Einnahmeeinbußen zu schützen, verschärfen erste Restaurants ihre Reservierungsregeln und geben Tischreservierungen für große Gruppen nur gegen eine Anzahlung heraus.

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Die Gastronomin Kerstin Rapp-Schwan, die sechs Restaurants in Düsseldorf und Neuss betreibt, hat ihre Reservierungsregeln angepasst. „Ab 20 Gästen ist eine prozentuale Anzahlung nötig. 50 Prozent der zuvor vereinbarten Leistungen müssen die Gäste dann vor ihrem Besuch bezahlen", erklärt Rapp-Schwan.

An einem Beispiel macht die Gastronomin deutlich, warum sie ihre Reservierungsregeln verschärft hat. „Eine Taufgesellschaft hat sich für einen Sonntag mit 60 Personen angemeldet. Wir haben ein entsprechendes Buffet vorbereitet und die Tische festlich gedeckt. Die Gäste sind aber nie aufgetaucht." Die Folge: Ein Einnahmeverlust von circa 5.000 Euro.

"Kostendruck auf Unternehmer steigt"

Auch der Bochumer Gastronom Heinz Bruns kennt das Problem. „Dass Gäste Reservierungen nicht einhalten, ist kein neues Phänomen, aber der plötzliche Wegfall von großen Gruppen fällt immer mehr ins Gewicht, weil der Kostendruck für Unternehmer steigt." Deshalb sichert sich Bruns bei großen Gruppen mit einer Bearbeitungsgebühr von 150 Euro ab.

Bei besonderen Anlässen wie Silvester bekommen nur Gäste einen Tisch, die vorher ein Ticket gekauft haben", erklärt Bruns.
Gastronomin Rapp-Schwan ärgert sich besonders über Gäste, die Reservierungen mehrfach nicht einhalten. „Wer bei mir im Restaurant drei Mal ohne Absage nicht erscheint, wird im Buchungssystem rot markiert und von Tischreservierungen ausgenommen."

Zunehmende Dreistigkeit bei Tischgrößen

Neben Unverbindlichkeit klagt die Gastronomin auch über zunehmende Dreistigkeit: „Um mehr Platz zu haben, reservieren drei Gäste einen Tisch für sechs. Diese Taktik beobachten wir immer häufiger."

Auch in OWL ärgern sich Gastronomen über Gäste, die Reservierungen nicht einhalten oder kurzfristig absagen.
„Wir haben das Problem regelmäßig, vor allem während Frühstücks- und Brunchzeiten", sagt der Betriebsleiter des Bielefelder Restaurants Bernstein, Thomas Dingwerth. „Damit abends und an Feiertagen nicht ebenso viele Tische leer bleiben, müssen große Gruppe vorher ihre Menüauswahl festlegen." Das Prinzip Tischreservierung gegen Anzahlung bewertet Dingwerth als gute Möglichkeit für mehr Verbindlichkeit. „Die Frage der Umsetzung ist dabei aber entscheidend, denn der bürokratische Aufwand darf nicht zu groß werden."

"Der Trend geht zu Unverbindlichkeit"

Andere Gastronomen in OWL lehnen verschärfte Reservierungsregeln hingegen komplett ab. „Mit dem Prinzip Tischreservierung gegen Anzahlung würden wir auch die Gäste bestrafen, die ihre Reservierungen einhalten, und die sind in der Mehrheit", erklärt der Geschäftsführer des Paderborner Restaurants Kampus, Karl-Heinz Militzer. Der Gastronom setzt lieber auf einen engen Kontakt zu seinen Gästen: „Bei Gruppen ab acht Personen notieren wir die Telefonnummer und fragen kurz vor der Reservierung noch einmal nach, ob es bei der Anzahl und dem Termin bleibt."

Ähnlich arbeitet das Team in dem Herforder Restaurant Lamäng. „Wir notieren immer die Telefonnummern, damit wir auch bei Verspätungen nachfragen können, ob wir den Tisch weiter freihalten sollen oder nicht", erklärt Sandra Unruh.
Obwohl die Mehrheit der Gastronomen eine Verschärfung der Reservierungsregeln aktuell ablehnt, glaubt der deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in NRW, dass sich das bald ändern wird. „Vor allem an Wochenende und in der Weihnachtszeit zählt für Gastronomen jeder Tisch, deshalb ist es fahrlässig, wenn sich Gastronomen auf das Prinzip Hoffnung zu verlassen", erklärt der Dehoga-Hauptgeschäftsführer in Ostwestfalen, Thomas Keitel. „Ich kann verstehen, dass Gastronomen ihre Gäste nicht verschrecken wollen, aber der Trend geht klar zu mehr Reservierungen und mehr Unverbindlichkeit bei Gästen. Diese Kombination führt leider immer häufiger zu hohen Einnahmeeinbußen."

(Mit Material von dpa)

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