Der "Goldene Windbeutel" von Foodwatch. Die Verbraucherschutzorganisation sucht auch in diesem Jahr nach der dreistesten Werbelüge und lässt Verbraucher abstimmen. - © picture alliance / dpa
Der "Goldene Windbeutel" von Foodwatch. Die Verbraucherschutzorganisation sucht auch in diesem Jahr nach der dreistesten Werbelüge und lässt Verbraucher abstimmen. | © picture alliance / dpa

Essen & Trinken Goldener Windbeutel: Foodwatch sucht die Werbelüge des Jahres

Unternehmen kritisiert Negativpreis

Angela Wiese

Die Verbraucherorganisation Foodwatch enttarnt regelmäßig Werbelügen und hinterfragt Versprechungen auf Produktverpackungen. Nun sucht Foodwatch wieder den Gewinner des Negativpreises "Goldener Windbeutel" für die größte Werbelüge des Jahres. Verbraucher können für 2017 aus fünf Kandidaten wählen. Die Abstimmung läuft bis zum 26. November. Ein Überblick über die Nominierten: "Kinderkeks" von Alete Foodwatch stößt sich an Versprechungen, die auf der Verpackung des Babynahrungsherstellers Alete zu lesen sind. Der Kinderkeks sei "babygerecht" und ab dem achten Monat "zum Knabbernlernen" geeignet, heißt es dort. Doch mit 25 Prozent Zuckeranteil seien die Kekse eben nicht babygerecht, sagt Foodwatch. Stattdessen förderten sie Karies. In einer E-Mail an Foodwatch schreibt Alete, das Unternehmen orientiere sich bei der Rezepturherstellung unter anderem an Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese WHO-Empfehlung aber beziehe sich auf Erwachsene und Kinder, nicht auf Säuglinge. Für Kleinkinder und Säuglinge empfiehlt die WHO Beikost ohne Salz und Zucker. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt für die gesunde Ernährung von Säuglingen den Verzicht auf stark gezuckerte Produkte. "Protein Drink" von Bauer Der Protein-Drink mit Vanillegeschmack von der Firma Bauer landete ebenfalls auf der Liste der Nominierten für den Goldenen Windbeutel 2017. Foodwatch kritisiert, dass das Unternehmen mit diesem Produkt nur auf einen Marketing-Trend aufspringe. Auf der Verpackung wird mit 23 Gramm Protein und 1 Prozent Fett geworben. Außerdem unterstütze das Getränk den Muskelaufbau und den Trainingseffekt. Doch das zugesetzte Protein sei überflüssig, sagt Foodwatch und bezieht sich unter anderem auf Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Demnach kann die von der DGE für Erwachsene empfohlene Proteinmenge durch ausgewogene Ernährung aufgenommen werden. Das Getränk sei außerdem 50 Prozent teurer als andere Vanillemilch. In einer E-Mail an Foodwatch schreibt Bauer: „Der Bauer Protein Drink richtet sich an eine fitnessorientierte und alltagsaktive Zielgruppe. Mit dem hochwertigen Milchprodukt bedient die Privatmolkerei Bauer die Bedürfnisse der Verbraucher und erfüllt den Wunsch nach proteinreichen Trendprodukten." "Gebundene Ochsenschwanz Suppe" von Lacroix Wer Ochsenschwanz-Suppe mag, dürfte von diesem Ergebnis überrascht sein. Auf der Foodwatch-Liste der Nominierten für den Goldenen Windbeutel 2017 landete die Ochsenschwanzsuppe vom Hersteller Continental Foods nämlich, weil gar kein Ochsenschwanz drin ist. In einer E-Mail an Foodwatch schreibt der Hersteller Continental Foods, dass Ochsenschwanz in der Suppe aus Qualitätsgründen nicht genutzt werde, da Ochsenschwanz häufig knorpeliges und sehnendurchwachsenes Fleisch sei. Außerdem weist das Unternehmen darauf hin, dass nur zusätzliche Bezeichnungen wie original oder klassisch die Verwendung von Ochsenschwanz in der Suppe erfordere. Die Suppe wird übrigens unter anderem aus entfettetem Rindfleisch ohne Sehnen und Zwiebeln, Tomatenmark, Gewürzen und Rotwein hergestellt. "Urlegenden Müsli" von Kellogg's Das "Urlegenden Müsli Quinoa, Apfel, Cranberries & Chia-Samen" von Kellogg's enthalte eigentlich kaum Urkorn, kritisiert Foodwatch und nominiert auch dieses Produkt für den Goldenen Windbeutel 2017. Das Müsli unterscheide sich wenig von anderen Müslis. Die Hauptzutat sei Hafer. Außerdem enthalte das Müsli 20 Prozent Zucker, Palmöl, Aroma und Zusatzstoffe, moniert Foodwatch. Zu den Urgetreiden zählen unter anderem Dinkel, Einkorn, Emmer, Hirse, Kamut und Quinoa. Im nominierten Müsli sind 2,5 Prozent Quinoa enthalten. Auf Nachfrage von Foodwatch habe Kellogg's bislang nicht geantwortet. Der Nachrichtenagentur AFP sagte das Unternehmen, dass es die Vorwürfe zunächst prüfen müsse. "Omega-3 Pflanzenöl" von Becel Auch beim "Omega-3 Pflanzenöl" von Becel sieht Foodwatch eine Täuschung und nominiert das Produkt für den Goldenen Windbeutel 2017. Das Öl des Herstellers Unilever komme als hochwertiges Gesundheitsprodukt daher und als Quelle des gesunden Omega-3. Normales Rapsöl, so Foodwatch, enthalte aber ein Drittel mehr Omega-3 als dieses Produkt. Auf der Vorderseite der Öl-Flasche steht "3x mehr Omega-3 als Olivenöl". Das sei irreführend, sagt Foodwatch. Olivenöl enthalte naturgemäß nicht besonders viele Omega-3-Fettsäuren. Unilever äußerte sich gegenüber Foodwatch nicht zu den genutzten Werbeaussagen. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte Unilever, das Becel Omega-3 Pflanzenöl sei ein hochwertiges Pflanzenöl; alle wichtigen Informationen zum Produkt fänden sich auf der Verpackung. "Der Konsument kann damit seine individuelle Kaufentscheidung treffen, die seinen persönlichen Bedürfnissen am besten entspricht." Das Unternehmen kritisierte Foodwatch gegenüber AFP scharf: "Mit der sogenannten Verleihung des goldenen Windbeutels greift Foodwatch deutsche Markenprodukte an, die allen nationalen und europäischen Gesetzen und Vorgaben entsprechen." Preisträger des "Goldenen Windbeutels" Foodwatch vergibt den Negativpreis "Goldener Windbeutel" bereits zum siebten Mal. Die bisherigen Preisträger sind: 2014: Alete Trinkmalzeit ab dem 10. Monat (damals Nestlé) 2013: Capri-Sonne von Wild/Deutsche SiSi-Werke 2012: Instant-Tees von Hipp 2011: Milch-Schnitte von Ferrero 2010: Monte Drink von Zott 2009: Actimel von Danone

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