Giftig und Ungiftig: Alexander Bunzel hält in der einen Hand einen Grüne Knollenblätterpilz (links) und in der anderen einen genießbaren Frauentäubling (rechts). - © Freya Köhring
Giftig und Ungiftig: Alexander Bunzel hält in der einen Hand einen Grüne Knollenblätterpilz (links) und in der anderen einen genießbaren Frauentäubling (rechts). | © Freya Köhring

Bielefeld Besonders viele Pilze in diesem Jahr

Unter den vielen Sorten sind auch 
giftige wie der Grüne Knollenblätterpilz. Eine Warburger Kita hat bereits Alarm geschlagen

Freya Köhring

Bielefeld. Nach nur wenigen Schritten in den Wald hinein stehen schon die ersten Exemplare am Wegesrand – Pilze. „Bis jetzt haben wir ein unheimlich gutes Pilzjahr", sagt Alexander Bunzel von der Mykologie-Arbeitsgruppe des Naturwissenschaftlichen Vereins in Bielefeld. Das liegt an der Mischung aus Wärme und Feuchtigkeit in diesem Jahr, so der 47-Jährige. Was für erfahrene Sammler eine echte Wonne ist, kann für Menschen, die sich nur wenig auskennen, allerdings lebensgefährlich sein. Denn natürlich wachsen auch die giftigen Arten wie der Grüne Knollenblätterpilz, dessen Verzehr lebensgefährlich ist. Eine Mitarbeiterin einer Kita in Warburg-Ossendorf hat jüngst solche Pilze auf dem Gelände der Einrichtung gefunden und Alarm geschlagen. Derzeit würden hier zwar keine Kinder betreut, doch nach den Sommerferien laufe der Betrieb wieder an. Da sich der Pilz nicht so leicht ausmerzen lässt, muss hier wahrscheinlich jeden Tag akribisch kontrolliert und die Pilze entfernt werden. Schon in geringen Mengen kann der Grüne Knollenblätterpilz tödlich sein, wenn die vergiftete Person nicht schnell genug behandelt wird. Mehrere Stunden nach dem Verzehr löst das Gift Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus. Die Leber wird geschädigt und im schlimmsten Fall tritt der Tod ein. Achtung, Verwechslungsgefahr! Auch an diesem Vormittag im Wald nahe Bielefeld dauert es nicht lange, bis sich der Giftpilz zeigt. Laut Bunzel handelt es sich bei dieser Gegend um ein gutes Pilzgebiet, da hier saurer sowie basischer Boden nah aneinander liegen. „Ideale Bodenverhältnisse für eine große Artenvielfalt", so der Hobby-Mykologe. Und in der Tat mangelt es nicht an Beispielen: Verschiedene Täublinge, Spitzschuppige Stachelschirmlinge, Netzstielige Hexenröhrlinge, Pfifferlinge, Sommer-Steinpilze und noch viele mehr stehen nur wenige Meter voneinander entfernt. Viele sind farblich gut an den Waldboden angepasst. Dann gibt es wieder andere, die stechen leuchtend hervor, wie der rote Zinnobertäubling. Inmitten dieser Artenvielfalt kann man schon einmal leicht den Überblick verlieren. Zudem sehen sich viele ungiftige und giftige Pilze ähnlich und können oft nur von erfahrenen Sammlern unterschieden werden. „Am Anfang kann man alles mit allem verwechseln", weiß Bunzel und ergänzt: „Sammler sollten ganz genau hinschauen und nie etwas essen, was sie nicht kennen." Der Frauentäubling, laut Bunzel ein leckerer Speisepilz, den es in verschiedenen Farben gibt, kann mit dem Knollenblätterpilz verwechselt werden. Beide Arten könnten zudem direkt nebeneinander wachsen. Die Farbvariationen vieler Pilze seien ein Grund, warum der 47-Jährige davon abrät, nur anhand eines Buches oder einer App die Arten zu bestimmen. Hilfe beim Sammeln und im Notfall Alexander Bunzel warnt, dass der Knollenblätterpilz auch in Parks mit altem Baumbestand und somit auch in der Nähe von Spielplätzen vorkommen kann. Darum gilt hier besondere Vorsicht. Auch für Flüchtlinge kann der Pilz zu einer Gefahr werden. Laut Bunzel sieht er einem beliebten Speisepilz aus dem Mittelmeerraum zum Verwechseln ähnlich. Im Jahr 2015 kam es deshalb zu zwei Todesfällen. Da es in diesem Jahr so viele Pilze gibt, kann sich der Pilzexperte durchaus vorstellen, dass es zu mehr Vergiftungen kommen kann. Für Personen, die sich für Pilzbestimmung interessieren, bietet der Naturwissenschaftliche Verein in Bielefeld am zweiten und dritten Septemberwochenende zwei Kurse an. Informationen und Anmeldung gibt es unter der Nummer Tel. (0521) 33 58 29. Bei dem Verdacht auf eine Vergiftung können sich Betroffene rund um die Uhr an den Giftnotruf in Bonn unter der Telefonnummer (0228) 19 240 wenden.

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