Wenn die Preise weiter steigen, könnte sich manch einer bald die Butter vom Brot nehmen. - © picture alliance / PIXSELL
Wenn die Preise weiter steigen, könnte sich manch einer bald die Butter vom Brot nehmen. | © picture alliance / PIXSELL

Essen & Trinken Butter so teuer wie noch nie: „Genuss steht wieder im Vordergrund“

Im Juli kostet das 250-Gramm-Stück 1,79 Euro

Düsseldorf (dpa) - So mancher Kunde reibt sich verwundert die Augen: Erst 10 Cent mehr, dann noch einmal 20 und jetzt sogar 30 Cent. Mit immer größeren Preissprüngen im Monatstakt ist Billigbutter so teuer wie noch nie in der Bundesrepublik. Die Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd haben den Preis für Deutsche Markenbutter in der untersten Preislage Anfang Juli auf 1,79 Euro je 250-Gramm-Stück angehoben. Das bestätigten Sprecherinnen beider Unternehmen. Zuvor hatte die Lebensmittel Zeitung über den neuen Preis berichtet. Damit hat sich Butter in der untersten Preislage bei Aldi nun schon im dritten Monat in Folge kräftig verteuert. Anfang Mai stieg er auf 1,29 Euro, Anfang Juni auf 1,49 Euro und nun Anfang Juli um rund 20 Prozent auf 1,79 Euro. Auch andere Produkte wurden bei Aldi teurer. „Erhöht wurden unter anderem auch die Preise für Süßrahmbutter (aktuell 1,79 Euro), Bio-Butter (1,99 Euro), und Irische Butter (1,89 Euro)", teilte Aldi Süd mit. Nach Auskunft einer Sprecherin wurden bei Aldi Nord auch verschiedene Käseartikel und Buttermilch teurer. An den Aldi-Preisen orientieren sich üblicherweise auch die großen Supermarkt-Ketten. „Die 1,79 Euro werden wir über kurz oder lang im gesamten Preiseinstiegssegment sehen", sagte AMI-Milchmarktexperte Andreas Gorn der Deutschen Presse-Agentur. Vor einem Jahr hätten die Verbraucher noch von einem historischen Tiefpreis profitiert, Butter sei regelrecht verramscht worden. Gorn geht davon, dass je nach Dauer der Lieferverträge auch Butter in den oberen Preislagen teurer wird. "Ein ungesunder Anstieg" Angesichts des Rekordpreises gibt es bereits mahnende Stimmen. „Das ist schon ein ungesunder Anstieg", sagte Frank Maurer, Sprecher der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen, der dpa am Sonntag. Bei den Verbrauchern sei schon eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. Im ersten Halbjahr 2017 sei Butter um rund 40 Prozent teurer geworden. Gleichzeitig sei die Nachfrage der Verbraucher um mehr als 7 Prozent zurückgegangen. Auch die Großabnehmer, die Industrie, könnten reagieren. „Es wird nicht lange dauern, dass sich die Lebensmittelindustrie nach Alternativen umschaut", meinte Maurer. AMI-Experte Gorn schilderte, dass die Lebensmittelindustrie über die bestehenden Lieferverträge hinaus zurückhalten reagiere. Bei Blockbutter sei das Marktgeschehen gegenwärtig sehr ruhig. „Das kann man im Moment mit Gold aufwiegen. Wer nicht kaufen muss, der tut es nicht", verdeutlichte Gorn. Für die Rekordhöhe sieht er mehrere Gründe: Eine niedrigere Milcherzeugung - die Käseproduktion nehme eine Menge Fett auf -, und auch das Verbraucherverhalten habe sich geändert. „Genuss steht wieder im Vordergrund." Die Entwicklung gehe hin zu fettreicheren Molkereiprodukten. Ähnlich sieht das Verbandssprecher Maurer: Die Light-Welle ebbe ab, es gehe wieder mehr um den Geschmack. Zudem setze die weiterverarbeitende Industrie auf hochwertige Zutaten. Eine ähnliche Einschätzung war von Niederösterreichs größtem Milchverarbeiter NÖM zu hören. „Die Produkte mit höherem Fettgehalt sind wieder „in", das heißt, der Trend zu fetthaltigen Produkten ist spürbar", sagte Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsführer der NÖM-Milchbauern, dem Sender Radio Niederösterreich. Zudem stelle die Lebensmittelindustrie vermehrt von Palmöl auf tierische Fette um.

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