Orga Systems in Paderborn steht vor einer ungewissen Zukunft. - © Marc Köppelmann
Orga Systems in Paderborn steht vor einer ungewissen Zukunft. | © Marc Köppelmann

Paderborn Orga Systems: März-Gehalt ist gezahlt

Arbeit geht weiter / Gerüchte über Stellenabbau dementiert

Paderborn. Das Paderborner Softwareunternehmen Orga Systems, das am 1. April einen Insolvenzantrag gestellt hat, arbeitet weiter. "Alle Abteilungen sind besetzt", so Unternehmenssprecher Andreas Freund. Auch das zunächst nicht gezahlte März-Gehalt habe die Belegschaft inzwischen erhalten. "Die Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich Mai gesichert", sagte Freund. In einer Betriebsversammlung habe der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus (Düsseldorf) die Belegschaft zur Weiterarbeit aufgefordert und gesagt, dass er das Unternehmen stabilisieren wolle. Alle Kunden seien zudem darüber informiert worden, dass die Projekte weiterlaufen.Finanzieller Spielraum größer Von den weltweit 650 Mitarbeitern arbeiten hierzulande knapp 200 am Stammsitz in Paderborn und rund 20 in Berlin. Carmelo Zanghi, erster Bevollmächtigter der IG Metall Paderborn, reagierte erleichtert auf die Zahlung des März-Gehaltes. "Nun kann der Insolvenzverwalter das Unternehmen neu ordnen, Gläubiger befriedigen und Material einkaufen." Da für Orga Systems jetzt keine Lohnkosten anfielen, sei der finanzielle Spielraum größer. Zanghi äußerte sich dennoch besorgt über die Zukunft des Standorts Paderborn. "Hier sind innovative Arbeitsplätze." In Paderborn sitzt auch die Entwicklungsabteilung. Die Beschäftigten, darunter Ingenieure, Techniker, Informatiker, seien hoch qualifiziert. Kebekus sei dafür bekannt, dass er ein insolventes Unternehmen "nicht einfach platt macht". Zanghi: "Das wäre die einfachste Lösung." Als Grund für die Misere sieht Zanghi auch "nicht gemachte Hausaufgaben". Ziel sei jetzt, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, sagte David Georg von der Kanzlei Kebekus und Zimmermann. Gerüchte über einen möglichen Stellenabbau dementierte er als "zum jetzigen Zeitpunk gänzlich falsch". Es gebe derzeit "keine Überlegungen in diese Richtung". Darüber, wie genau es mit Orga Systems weitergehe, werde erst in den kommenden Wochen oder Monaten entschieden.Entwicklung von Software Das IT-Unternehmen entwickelt und vertreibt Software zur "echtzeitbasierten Abrechnung" von mobilen Diensten. Ein Großteil der Kunden kommt aus der Telekommunikationsbranche im Ausland. Freund: "Wir sind da in einem volatilen Geschäft unterwegs." Weitere Geschäftsbereiche sind Energieversorger und Autohersteller ("Machine-to-Machine-Kommunikation"). Der Umsatz wird vor allem im Ausland erwirtschaftet. In Indien (Kalkutta) und Brasilien (Rio de Janeiro) arbeiten jeweils gut 100 Mitarbeiter, in Argentinien (Buenos Aires) sind es gut 80. Weitere Außenstellen sind in Kiew, Moskau und Rom. Umsatz und Gewinn hat die Geschäftsführung stets verschwiegen. Laut Bundesanzeiger ist der Umsatz 2013 um 50 Prozent auf 29,7 Millionen Euro eingebrochen. Den Verlust, der sich auf 32,3 Millionen Euro belief, hat die Orga Systems Holding GmbH erstattet. Unternehmenssprecher Freund betonte: "Wir haben im Jahr 2014 neue Kunden gewonnen."

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